MainPost - Auch der 1. FC Nürnberg ist von der Idee überzeugt

(MainPost, 06.05.2015) Fortan gibt es einen eigenen Stützpunkt für talentierte Fußballmädchen in Unterfranken Nachdem die Pilotphase des Nachwuchsförderzentrums für Juniorinnen in Unterfranken erfolgreich verlaufen ist, haben die fünf Partnervereine gemeinsam mit dem Sportzentrum und der Bildungsforschung der Universität Würzburg die dauerhafte Etablierung des Stützpunktes für talentierte Fußballspielerinnen in der Region beschlossen.

Das Nachwuchsförderzentrum für Juniorinnen Unterfranken (NFZ) richtet sich mit seinem vereinsübergreifenden Angebot an Mädchen, die nicht nur Fußball spielen wollen, sondern dies zudem auch richtig gut können. Da diese Mädchen bislang in den Stützpunkten des DFB kaum eine dauerhafte Chance haben, wurde vor einem Jahr das bayernweit einzigartige Pilotprojekt eines Stützpunktes nur für Spielerinnen gestartet.

„Wir haben in Bayern seit 2010 fast ein Viertel aller Mädchenteams in Bayern verloren“, beschreibt der Projektleiter und -initiator Heinz Reinders von der Universität Würzburg die kritische Entwicklung. „Deshalb wird es dringend Zeit, dass wir uns dem Mädchenfußball mit einer eigenen Infrastruktur widmen“, ergänzt Olaf Hoos, der das NFZ von sportlicher Seite gemeinsam mit Gernot Haubenthal leitet. „Das NFZ ist ein zentraler Bestandteil zur Stärkung des Mädchenfußballs in der Region“, so Hoos weiter.

Das Konzept unterscheidet sich dabei maßgeblich von der klassischen Förderung. Die Spielerinnen werden nicht nur an einem Tag selektiert, sondern erhalten in einer achtwöchigen Sichtungsphase die Möglichkeit, ihre Talente in verschiedenen Bereichen zu zeigen. Auch stehen mit der Handlungsschnelligkeit und der Spielintelligenz keine technischen, sondern taktikrelevanten Merkmale leistungsstarker Spielerinnen im Vordergrund. „Wir fördern die Kreativität der Spielerinnen und sie müssen selbst erkennen, welche technischen Fähigkeiten sie zur Lösung einer Spielsituation benötigen“, erklärt Gernot Haubenthal den sportwissenschaftlichen Ansatz.

Innovativ ist auch die enge Zusammenarbeit mit den Vereinen. Daher ist es ein wesentlicher Ansatz des NFZ, gemeinsam mit den Sportvereinen der Region die Förderung der Spielerinnen voranzutreiben. Mit dem 1. FC Nürnberg ist ein prominenter Vertreter mit an Bord. Heinz Seidler, Vorstand beim Mädchen- und Frauen-Club begründet die Zusammenarbeit mit der gleichen Ausbildungsphilosophie: „Das NFZ verfolgt aus unserer Sicht den richtigen Ansatz, da können beide Seiten ihr Know-How einbringen und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit“.

Anlässlich des öffentlichen Trainings für interessierte Vereine und TrainerInnen wurde nun die offizielle Gründung des Nachwuchsförderzentrums für Juniorinnen in Unterfranken vorgenommen. Neben dem Club sind der SC Heuchelhof, der SV Veitshöchheim, der TSV Gerbrunn und der TSV Lengfeld Gründungsvereine dieses bayernweit einzigartigen Projekts. Beheimatet ist das Förder- und Forschungsprojekt am Sportzentrum der Universität Würzburg und wird wissenschaftlich begleitet vom Lehrstuhl Empirischen Bildungsforschung.

Für den Leistungskader 2015/16 können Vereine und Trainer ab sofort bis zum 31. Mai talentierte Spielerinnen der Jahrgänge 2002-2006 zur Talentsichtung melden. Informationen online unter: www.nfz-unterfranken.de.

Neues aus der Wissenschaft

Anlass für die Übersicht zu Möglichkeiten des jahrgangsversetzten Spielbetriebs von Mädchen bei den Jungen ist zum einen der Umstand eines nachweislichen, körperlich-motorischen Vorsprungs von Jungen gegenüber Mädchen ab der Grundschulzeit. Zum anderen bietet der Deutsche Fußball-Bund durch seine Jugendordnung den Landesverbänden die Möglichkeit, Juniorinnen altersversetzt im Spielbetrieb der Junioren einzusetzen. Insgesamt zeigen die untersuchten Jugend- und Spielordnungen der Landesverbände eine deutliche Hinwendung zu den Grundsätzen des Deutschen Fußball-Bundes. Mehr dazu...